Bernstein - das Gold Fanøs

Wenn man erst einmal fleißig genug war, ein schönes Stück Bernstein am Rande des Wassers zu finden, hat man sein Herz für immer an die Bernsteinjagd verloren. Jedenfalls werden die meisten Menschen vom Jagdfieber und einem sich steigernden Goldrausch angesteckt, wenn sie erkennen, dass ein Fund tatsächlich möglich ist.

Gleichzeitig ist das Bernsteinsuchen eine sinnvolle Tätigkeit, wenn das Wetter nicht direkt zum Sonnenbaden einlädt. Eigentlich nämlich muss es rau und kalt sein, damit der Bernstein in größeren Mengen an die Küste gespült wird.

 

 

Alles, und somit auch der Bernstein, treibt in kaltem Wasser am leichtesten. Deshalb ist der Sommer auch nicht die geeignetste Jahreszeit für die Bernsteinsuche.Im Winterhalbjahr ist das Wetter von Wind und Stürmen geprägt, die Bernstein und sonstiges Schwemmgut an den Strand spülen.

Die Windrichtung ist bekanntlich ein weiterer wesentlicher Teil des Geheimnisses. Auf Fanø ist der günstigste Wind jener aus Südwest, wobei dies aber von Ort zu Ort etwas unterschiedlich ist. Allerdings kann es auch zu viel Wind geben! Dann öffnen sich die Jagdgründe erst so richtig, wenn das Hochwasser wieder abzieht. Vieles muss dabei stimmen, doch auch das gehört zum Vergnügen.

Es ist kein Zufall, dass die erfahrensten Bernsteinsammler die besten Stücke finden. Sie wissen ganz genau, wo die Chancen am größten sind. Doch Garantien gibt es keine.

Ein guter Tipp ist es, auf die Möwen zu achten. Wo sich Möwen in großen Scharen am Strand zusammenfinden, da gibt es häufig das meiste Schwemmgut aus dem Meer. Muscheln, Pflanzenteile und mit großer Wahrscheinlichkeit auch Bernstein.

 

 

 

Der Bernstein an den dänischen Küsten nennt sich Baltischer Bernstein. Er ist zwischen 30 und 50 Millionen Jahre alt. Die sogenannten Baltischen Bernsteinwälder bedeckten einen Großteil Skandinaviens und des Ostseeraumes. Heute weiß man, dass der Bernstein versteinertes Harz teils ausgestorbener Baumarten ist, doch früher gab es verschiedene Theorien über seine Entstehung. Wachs von Waldameisen und getrockneter Harn des Luchses gehören zu den fantasievollsten Erklärungen. Das Harz veränderte in den sauerstoffarmen Verhältnissen unter Wasser allmählich seine Molekularstruktur. Wenn es mit Sauerstoff in Berührung gekommen wäre, hätte es sich nie zu Bernstein entwickelt.

Die prähistorischen Flüsse im Ostseeraum haben den Bernstein weit herumgeführt, und vor allem die Gletscher der Eiszeit haben den Bernstein in die Nordsee transportiert. Hier wird er von Stürmen und Strömungen freigelegt, sodass wir ihn an den Stränden einsammeln können. So haben es die Menschen an der Westküste seit 9.000 Jahren gemacht.

Vor einigen Jahren fand ein deutscher Tourist auf Fanø verarbeiteten Bernstein aus der Steinzeit. Das Schmuckstück stammt wahrscheinlich aus einer der heute überschwemmten Siedlungen in der Nordsee. Die Chance, ein solches Stück zu finden oder vielleicht einen Klumpen mit einem Insekt oder einem Blatt darin, erhöht nur die Faszination.